Geschlechterdebatte

Was ist das größte Tabu in Deutschland?

Von Dr. Alexander Ulfig   30. März 2012

Der Publizist Harald Martenstein hat vor einiger Zeit einen Vortrag zum Thema „Politische Korrektheit“ gehalten. Er wollte herausfinden, was das größte Tabuthema in Deutschland ist. Er hat fünf Themen angesprochen, die in Deutschland tabuisiert werden. Nur bei einem Thema gab es Proteste und einen wütenden Zwischenruf seitens des Publikums.

Hier gekürzt die fünf Themen:

1. "Ohne Vorurteile können wir nicht leben ... Menschen, die ernsthaft von sich behaupten, sie hätten keinerlei Vorurteile, sind gefährlich, weil sie sich selbst nicht infrage stellen."

2. "Wir sind nicht alle gleich ... Entscheidend ist die Frage, was aus dem Wissen um unsere Ungleichheit folgt. Folgt daraus Unterdrückung oder nicht? Und ist das, was auf Jahrhunderte sexistischer und rassistischer Unterdrückung folgt, ein Nelson-Mandela-Regime oder ein Robert-Mugabe-Regime?"

3. "Es gibt neue Ungleichheiten."

4. "Es gibt neue Religionen. Zwischen Männern und Frauen existieren, auch im Verhalten und im Alltag, eine ganze Reihe Unterschiede, die biologisch bedingt sind und nichts mit Gesellschaft zu tun haben, sie können auch nicht wegerzogen werden. Diejenige Strömung der Gender Studies, die diese offensichtliche Tatsache leugnet, hat etwa so viel mit Wissenschaft zu tun wie der Voodoo-Kult auf Haiti. Gender-Professorinnen sollten folglich nicht aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden, sondern aus der Kirchensteuer."

5. "Witze können ein Liebesbeweis sein ... Deshalb ist es in einer Gesellschaft wie unserer meist ein gutes Zeichen, wenn über eine Gruppe, etwa Gender-Professorinnen, öffentlich Witze gemacht werden dürfen."

 

Der Protest des Publikums bezog sich auf die Behauptung, „dass Gender-Politik und Voodoo aufs Gleiche hinauslaufen“. Natürlich hat Martenstein nicht alle in der Bundesrepublik existierenden Tabuthemen benannt. Aber die Reaktion auf seinen Vortrag ist bezeichnend. Es mehren sich die Zeichen dafür, dass die Kritik an dem Themenkomplex Feminismus/Gender-Mainstreaming/Gender Studies/Gleichstellungspolitik (im Folgenden kurz „Genderismus“ genannt) das größte Tabu in der Bundesrepublik darstellt.

Bekannt wurde der Fall eines Mainzer Professors, der in einem noch im Internet kursierenden Artikel den Gender-Mainstreaming als „totalitäre Steigerung der Frauenpolitik“ bezeichnet hatte. Er wurde daraufhin von der Universitätsleitung angewiesen, den Artikel von seiner Internet-Seite zu entfernen. Der Wissenschaftler schweigt bis heute zu diesem Thema, und zwar aus Angst um seine Arbeit und seine Nachtruhe. Bei dem 2010 an der Universität Düsseldorf stattfindenden „Männerkongress“ gab es seitens feministischer Kreise Drohungen gegen einen der Teilnehmer, den Geschlechterforscher Professor Gerhard Amendt. Er erhielt Personenschutz. Im Mai des letzten Jahres wurde Monika Ebeling vom Rat der Stadt Goslar als Gleichstellungsbeauftragte abberufen, weil sie sich auch für die Anliegen von Jungen und Männern einsetzte. Der israelische Historiker Martin van Creveld wurde von der Uni Trier dazu eingeladen, eine Vortragsreihe abzuhalten. Nach dem ersten Vortrag „Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur“ wurde er auf Druck des Astas von der Universitätsleitung ausgeladen, weil er behauptete, dass viele Frauen Lust dabei empfinden, Männern bei kriegerischen Handlungen zuzusehen.

In der Politik findet keine Kritik am Genderismus statt. Auch in der Wissenschaft wird jegliche Kritik tabuisiert. In den Mainstreammedien erscheinen genderkritische Beiträge äußerst selten. Es sind absolute Ausahmen im Vergleich zu den fast täglich erscheinenden Artikeln, die den Genderismus propagieren. Es entsteht der Eindruck, man lässt die wenigen kritischen Artikel nur deshalb veröffentlichen, um den Anschein zu erwecken, dass in der Bundesrepublik Meinungsfreiheit herrsche.

Dabei sollte es doch für jeden aufgeklärten und kritisch denkenden Menschen eine Aufgabe und Herausforderung sein, sich dieses Tabuthemas anzunehmen, dieses Tabu (und auch andere Tabus) zu brechen. Nur auf diese Weise kann ein freier Diskurs stattfinden. Nur dann könnte man sagen, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht.
Harald Martensein hat die Konsequenz aus der Reaktion des Publikums auf seine Ausführungen zum Genderismus gezogen. Er schreibt: „Ich nehme dies, weil ich als ZEITmagazin-Kolumnist von Amts wegen zum Nonkonformismus verpflichtet bin, als Aufgabe und Verpflichtung, und vertrete das jetzt ununterbrochen.“

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge
Gesellschaft

Abweichende Meinungen? Nicht unbedingt.

15. November 2013, von Dr. Tomas Kubelik
Wer es wagt, eine zur gesellschaftlichen Doktrin erhobene Weltanschauung öffentlichkeitswirksam zu kritisieren, muss mit starkem Gegenwind rechnen.
Zielt die Kritik auf eine der erfolgreichsten Missionsbewegungen des 20. Jahrhunderts, ist besonderer Mut gefragt. Schnell gelangt der freie Diskurs an seine Grenzen und der Kritiker in die Defensive.
...

Geschlechterdebatte

Gleichstellungspolitik an Hochschulen

24. Juni 2012, von Prof. Günter Buchholz
In westlichen Regierungen wie auch in internationalen Organisationen hat sich zusehends ein Staatsfeminismus institutionalisiert, dessen Basis die abstrakte Vorstellung eines „Patriarchats“ bildet. Doch sowohl in theoretischer wie auch empirischer Hinsicht ist die These des „Patriarchats“ nicht haltbar.
1. Die allgemeine These der Frauendiskriminierung...

Geschlechterdebatte

Role models – wofür?

Sind weibliche Führungskräfte in erster Linie weiblich oder in erster Linie Führungskraft?
Von Michael Klein   20. April 2012 Zuerst erschienen auf Sciencefiles.org
Durch Zufall bin ich im Blog von Wolfgang Goebel, dem Personalchef von McDonald’s Deutschland, auf einen Beitrag mit dem Titel “Wie ernst ist locker?” gestoßen. Was dem Titel nicht unmittelbar zu entnehmen ist, es geht um ein “Gender...

Geschlechterdebatte

Quoten-Kunst-Kanon

01. Dezember 2014, von Prof. Adorján Kovács
Es gibt immer noch Bereiche, in denen Männer und Frauen nicht zu gleichen Teilen repräsentiert sind. Dazu gehören die Müllabfuhr und die Stahlgießerei. Auch in den Bergwerken und beim Militär kann es noch vorkommen, dass man auf mehr Männer als Frauen stößt.
Das macht den Genderideologen aber nichts aus, denn diese Jobs sind viel zu anstrengend und...

Geschlechterdebatte

Der Feminismus und das biologische Geschlecht

23. November 2013, von Dr. Tomas Kubelik
Vor wenigen Jahrzehnten begann ein beispiellos erfolgreicher Feldzug gegen die Traditionen der deutschen Sprache, der unter der Bezeichnung „Gendern“ mittlerweile zum Teil Allgemeingut geworden ist.
Die Vorschläge zur Veränderung der Sprachgewohnheiten haben ihren Ursprung in den Utopien radikalfeministischer Kreise der 70-er Jahre. Mit den absolut...

Geschlechterdebatte

Hochschulen: Füllhorn für Frauenförderung

2. Januar 2013, von Eckhard Kuhla, zuerst erschienen bei AGENS
Zunächst die Fakten: Studentinnen überholen Studenten, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. betragen die Frauenquoten  im Vergleich zu 1992[1] bei den Immatrikulationen:  49,5 %, den Studienabschlüssen 51,8% und den Promotionen 44,1%.
Damit liegt die Frauenquote innerhalb der Studentenschaft bei beachtlichen fast 50% , die...

Bildung

Zur Situation an den Fachhochschulen

8. Juni 2012, von Prof. Günter Buchholz und Prof. Jost W. Kramer, zuerst erschienen in "Solidarische Bildung" (VSA-Verlag)
Fachhochschulen wurden etwa ab 1970 mit dem Schwerpunkt der praxisorientierten Lehre und der anwendungsorientierten Forschung gegründet. Oft waren hierfür bereits bestehende Ausbildungseinrichtungen, z. B. für Ingenieure oder Sozialarbeiter der institutionelle...

Wissenschaft

Friedenstauben statt Erkenntnis – Deutsche Hochschulen üben sich in freiwilliger Selbstkontrolle

19. November 2012, von Dr. Heike Diefenbach und Michael Klein, zuerst erschienen auf ScienceFiles.org
Hätte Albert Einstein seine verflixte Relativitätstheorie nicht formuliert, dann hätte es keine Atombombe gegeben, zumindest wäre ihre Entwicklung schwieriger gewesen.
Hätte Alfred Nobel nicht sein Dynamit und damit den ersten industriell verwendbaren Sprengstoff erfunden, US-amerikanische Outlaws...

Geschlechterdebatte

Preisverleihung: Mit Tricks geht´s besser

11. September 2012, von Prof. Adorján Kovács
Wie eine Mitschöpferin der Gendertheorie geehrt wird
Der Genderismus gehört zu den auch politisch einflussreichsten Theorien der Gegenwart. Wie immer wird das, was sowieso erfolgreich ist, noch einmal besonders gefördert. Die Soziologie nennt das den „Matthäus-Effekt“: „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem...

Geschlechterdebatte

Stereotype und Fließbandforschung

Wie Genderismus die Kultur verwüstet Von Professor Adorján Kovács   28. März 2012
Die Gender-Mainstreaming genannte Ideologie hat längst auch den Kulturbereich erfasst und soll dort langfristig etabliert werden. Zum Erreichen der Nachhaltigkeit des Einflusses dieser Ideologie werden strukturelle Änderungen an den relevanten Ausbildungsstätten politisch durchgesetzt. Gleichstellungsmaßnahmen an den...

Gesellschaft

Unterwegs zur Herrschaft der political correctness

19. November 2013, von Dr. Tomas Kubelik
In den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erkannten linke amerikanische Studenten, dass Sprache eines der mächtigsten Werkzeuge darstellt und dass es möglich wäre, durch das Aufstellen von Sprachvorschriften das Bewusstsein der Menschen langfristig zu manipulieren und in Folge dessen Veränderungen in der sozialen Realität zu erwirken.
Das war die...

Wissenschaft

Die Anti-Wissenschaftler

26. Oktober 2012, von Hadmut Danisch, zuerst erschienen in Hadmut Danischs Blog
Die Zeitschrift „Scientific American” hat einen hochinteressanten Artikel darüber veröffentlicht, wie die zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit in den USA die Demokratie gefährdet.  
In den USA wird es für Politiker wohl immer günstiger, leichter und gewinnbringender, sich als wissenschaftsfeindlich auszugeben. Die Ablehnung von...