Geschlechterdebatte

Quoten-Kunst-Kanon

01. Dezember 2014, von Prof. Adorján Kovács

Es gibt immer noch Bereiche, in denen Männer und Frauen nicht zu gleichen Teilen repräsentiert sind. Dazu gehören die Müllabfuhr und die Stahlgießerei. Auch in den Bergwerken und beim Militär kann es noch vorkommen, dass man auf mehr Männer als Frauen stößt.

FraueKlavier-nhvj7534 Das macht den Genderideologen aber nichts aus, denn diese Jobs sind viel zu anstrengend und schlecht bezahlt, als dass da eine Frauenquote gefordert werden sollte. Anders sieht es bei den Rosinen aus, die in Form von Vorstandsposten aus dem Kuchen der Berufe herausgepickt werden.

Frau Schwesig hat es voller Stolz erreicht, durch eine undemokratische, unsoziale und jedem Gerechtigkeitsgefühl und Leistungsdenken hohnlachende Pseudo-Reform in die deutsche Geschichte einzugehen – auch eine Leistung, irgendwie.

Zu den attraktiven Berufen zählen auch die künstlerischen. Entsprechend wurde vor kurzem eine Frauenquote bei der Vergabe von Regieaufträgen bei Film und Fernsehen gefordert. Da handelt es sich um die Gegenwart und Zukunft, die vermehrt von Frauen bestimmt werden soll. Zwar hält niemand sie davon ab, aber eine Quote ist sicherer. Was aber ist mit der Vergangenheit? Zum Beispiel in der Musik? Was den Kanon der anerkannten Komponisten angeht, besteht eine erhebliche “gender imbalance”, wie ein Blick in jedes noch so bereinigte Komponistenlexikon zeigt. Es gibt einfach zu viele Männer da. Um auf die ersehnten 50% zu kommen, genügt es nicht, alle Komponistinnen mit noch so dünnen Oeuvres und noch so schlechten Werken aufzuwerten, nein, es müssen ganz neue Komponistinnen entdeckt werden, von denen die Welt noch nie gehört hat.

In der FAZ vom 29.11. findet sich ein Beispiel für diese Kunst, Komponistinnen zu erfinden. Wer es nicht glaubt, wird selbstverständlich der “misogynistic attitude” beschuldigt, hat also grundsätzlich etwas gegen Frauen. Da behauptet also ein australischer Musiker, dass “Anna Magdalena Bach die ihrem Manne zugeschriebenen Cellosuiten, außer diesen auch noch die Aria aus den Goldberg-Variationen sowie das erste Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier, selbst komponiert habe.” Glücklicherweise macht sich die FAZ nicht zum Trottel dieser nun auch in einem Film namens “Written by Mrs. Bach” vertretenen These, sondern titelt boshaft à la Loriot: “Da hatte sie was Eigenes.” Verfasser des Beitrags ist der angesehene Wissenschaftler und tatsächlich eminent kundige Bach-Biograph Martin Geck, der die massiven Beweise zugunsten der Autorschaft Johann Sebastians aufzählt. Noch, so scheint es, zählt die “Macht der Fakten”, die “jede weitere Spekulation erledigt”. Natürlich betont er, dass es durchaus sein könnte, dass Frau Bach wirklich fähig war zu komponieren, aber sie hat es eben nicht getan.

Die Genderideologen werden nicht aufhören mit solchen absurden Mätzchen, die sie für eine späte Gerechtigkeit halten. Aber sie machen sich zunehmend lächerlich. Nichts spricht dagegen, die Ereignisgeschichte neu zu schreiben, doch müssen Beweise vorliegen. Die Rezeptionsgeschichte wird man allerdings nicht umschreiben können, sie ist vorbei. Freuen wir uns also an der Musik, deren Qualität, wie Reich-Ranicki zu sagen pflegte, nicht von den Geschlechtsorganen abhängt.

 

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