Geschlechterdebatte

Hochschulen: Füllhorn für Frauenförderung

2. Januar 2013, von Eckhard Kuhla, zuerst erschienen bei AGENS

Zunächst die Fakten: Studentinnen überholen Studenten, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. betragen die Frauenquoten  im Vergleich zu 1992[1] bei den Immatrikulationen:  49,5 %, den Studienabschlüssen 51,8% und den Promotionen 44,1%.

Damit liegt die Frauenquote innerhalb der Studentenschaft bei beachtlichen fast 50% , die Nachwuchs-Förderung von Akademikerinn müßte eigestellt werden – orientiert man sich nur quantitativ. Im Lehrbetrieb hat sich in den letzten 10 Jahren der Frauenanteil auch erhöht: Hinsichtlich der Habilitationen verdoppelte er sich auf  24,9%, während er sich bei den Professuren gar auf 19,2% verdreifachte.

Diese Quoten-Diskrepanz zwischen Studentenschaft  und Lehrpersonal begründet die Frauenlobby  nicht mit den realen Präferenzen weiblicher Lebensentwürfe, sondern mit der berühmten “gläsernen Decke“ des Professoren-Patriarchats und – weniger intelligent – mit den “zu geringen”   Frauenquoten beim Lehrpersonal verglichen mit den Hochschulabschlüssen. Jedenfalls Grund genug für das Wissenschaftsministerium,  mit einer noch nie dagewesenen Frauenförderung gegen zu steuern, mit der Folge einer  skandalösen Männerdiskriminierung, was in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Diese massive  Frauenförderung sei  an zwei Beispielen erläutert: das „Kaskadenmodell“ und das „Professorinnen Programm“.

Das Kaskadenmodell – eine „Zwangsförderung“

Die Gemeinsame Wissenschaftskommission(GMK)  hat bereits  2011 das „Kaskadenmodell“  eingeführt:  Der in der Regel höhere Frauenanteil einer unteren Personalstufe soll zur Zielquote für die nachfolgend höhere Stufe werden. Wenn also beispielsweise dreißig Prozent der Doktoranden einer wissenschaftlichen Einrichtung weiblich sind, so sollten sich diese dreißig Prozent demnächst auch auf der Ebene der Postdoktoranden wiederfinden. Das Modell beansprucht Gültigkeit über die gesamte Hierarchie des Personals hinweg – von den Absolventen bis hin zum Institutsleiter. Bei strikter Anwendung des Kaskadenmodelles dürften frei werdende Professuren deshalb von nun an eigentlich nur noch von Frauen besetzt werden[1].

200 Professorinnen – unbefristet

Das „Professorinnenprogramm“ mit der Schaffung von 200 unbefristeten Professuren nur für weibliche Bewerber geht dieses Jahr „erfolgreich“ zu Ende.  Schirmherrin: Prof. Annette Schavan[2].

Voraussetzung für eine Förderung (Fördervolumen 150 Mio. €) der Professuren war, dass ein Gleichstellungskonzept für die beantragende Hochschule vorgelegt wird.  Im Folgenden seien beispielhafte Themen für ein solches “Gleichstellungskonzept” genannt[3]:

Mentoring Karriereförderung von Frauen, Anreizsysteme für  Professorinnen,  Konzepte für Uni- Kindergärten, Ökonominnen-Netzwerk, Genderforschung, Frauen – Förderpool, Gender und Musik, Dual Career und Diversity, sowie  Gender -Fotoausstellungen...

Summa summarum geht es schlicht um Frauenförderung, hier größtenteils um universitäre „Familienförderung” (z. B. Krippenausbau) – umschrieben mit dem politisch korrekten Etikett „Chancengleichheit“.  Ziel war  nicht  wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn, den allenfalls als erfreuliches Nebenprodukt. Die Evaluation obiger Forschungsförderanträge  geschah deswegen auch nach dem Kriterium, inwieweit die vorgelegten Konzepte die Prinzipien der Chancengleichheit  erfüllen.  Einmal abgesehen  von dem semantischen Missbrauch des Wortes  „Chancengleichheit“-  eine in der Wissenschaft übliche Ergebnis-Evaluierung nach Projektablauf  war  nicht vorgesehen. Das hat mit dem gebräulichen Instrument „Peer Review“ für wissenschaftliche Arbeiten relativ wenig zu tun – geschweige denn mit dem Nachweis eines Nutzens der Arbeit dieser Lehrstühle für die Allgemeinheit. Dazu ein Zitat von Gerhard Amendt[4]:

„Genderprofessuren beschränken sich auf die immer wiederkehrenden, wenn auch äußerst subtil angelegten Opferbeschreibungen. Das schließt weitgehend aus, dass solche Professuren nennenswerte Beiträge zur Entwicklung des Faches erbringen“.

Adorjan Kovacs berichtet über weitere Projekte der Frauenförderung aus dem Kunst- und Musikbetrieb[4]:

„...ähnlich bei Gender.  Die kreative Leistung war die Formulierung der Gendertheorie (d.h. nicht, dass sie deshalb richtig sein muss), jetzt geht es um ihre Ausschlachtung. Es sind darum, um auf die hochbegabten Frauen im Schatten hochbegabter Männer  zurückzukommen, eigentlich nicht diese Künstlerinnen, die primär von der neopositivistischen Sammelwut profitieren, sondern die GenderforscherInnen selbst“.

Männliches Abnicken

Es ist anzunehmen, dass diese zwei Projekte des Forschungsministeriums zur Frauenföderung vorwiegend männliche Mehrheiten in den Gremien beschlossen haben. Seltsam. Was mag diese Männer dazu motiviert haben, z.B.  200 Professorinnen die akademische Laufbahn bis zu ihrer Pensionierung sicherzustellen... und so möglichen, männlichen Mitbewerbern den Erfolg ihrer Anstrengungen zu stehlen? 200 unbefristete Professuren,  wäre das nicht ein Grund für die Professorenschaft, zu Protesten gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber Männern  auf zu rufen? Wo bleibt die männliche Solidarität?  Wo sind die mutigen, kritischen Stimmen, die die Unwissenschaftlichkeit dieser Projekte angreifen? Zum Kaskadenmodell kommentiert die FAZ entsprechend[1]:

“...das unionsgeführte Wissenschaftsministerium scheint entschlossen, den Fortschritt in den Frauenzahlen zu einem vorrangigen Kriterium für die Teilhabe an zukünftigen Finanzströmen erheben zu wollen.”

Der klassische, männliche Beschützerinstinkt (im Folgenden unwissenschaftlich mit  „Beschützer-Gen“ bezeichnet)  ist zu einem liebedienerischen Verhalten  verkommen. Ein solches Verhalten beseitigt vorauseilend mögliche Probleme, die sich den potentiellen Professorinnen in den Weg stellen könnten. Die Instrumente dazu sind: Reduzierung der Leistungsanforderungen an die Professorinnen und die “Nicht-Messbarkeit” der Leistungen.  Die daraus entstehenden Folgen für die Qualität und den Ruf der deutschen Wissenschaftseinrichtungen sind noch nicht absehbar. Diese “neue  Ritterlichkeit” der Männer  wäre zumindest eine Erklärung für das immer stärker werdende, fast unterwürfige Verhalten von in Verantwortung stehenden Männern  gegenüber Frauen.

Das  „Beschützer-Gen“ hat seit Urzeiten die Frau vor Unbill der Außenwelt geschützt. Heute schützen Männer mit ihrem Beschützer-Gen die Frau vor den selbstverständlichen Widrigkeiten des Erwerbslebens, denen jeder Mann und jede leistungswillige Frau ausgesetzt sind.  Sollte   diese selbstlose, männliche Unterstützung der weiblichen Emanzipation etwa  das jahrhundertelang erlittene Unrecht der Frauen durch die Männer wieder gut machen?

Kasus Schavan

Die neue Ritterlichkeit  ist auch in den Solidaritätsbekundungen bzgl der Plagiatsvorwürfen für die Wissenschaftsministerin Schavan  zu erkennen. Es sind Bekundungen von männlichen Vertretern der Wissenschaftsorganisationen, Kirchenoberen und männlichen Einzelpersonen. „Ball flach halten“ heißt die Devise. Ohne die Plagiatsuntersuchung abzuwarten, schießen sie mit  Medienbegleitung  gegen die Plagiatskommission und gegen den Unirektor, z.B. mit Argumenten der Verjährung und  mit dem Anlegen von weniger strengen Maßstäben, verglichen mit anderen Plagiatsfällen. Und das, obwohl sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft noch vor einem Vierteljahr auf strengere Maßstäbe bzgl. des Plagiatsverdachts geeinigt hatte.

Diese Vorgehenskritik hinsichtlich der Plagiatskommission lenkt  elegant von dem Kasus Schavan auf einen Nebenkriegsschauplatz ab.  „Beschützen“ der Frauen heißt für Männer heutzutage Schaden von ihnen abzuwenden. So verstummen auch die Medienreaktionen auf den eigentlichen Kasus Schavan  allmählich. Die Ministerin wird bevorzugt behandelt so wie die 200 Professorinnen.  Sie darf nicht fallen. Ist das nicht der ganz traditionelle Paternalismus seitens des “Patriarchats”, das Feinbild der Frauenlobby?

Man stelle sich vor, ein männlicher Wissenschaftsminister stünde unter Plagiatsverdacht. Ein „Kreuziget ihn!“ würde durch alle Institutionen gehen – und das unabhängig vom Geschlecht der Kritiker!  Leicht umgewandelt, kommt so die lateinische Weisheit dann auch zu ihrem Recht: „Quod licet Jovi, not licet bovi“ (Frei übersetzt: Was der Frau erlaubt ist, ist  dem Manne nicht erlaubt).

Eine rühmliche Ausnahme in diesem irritierenden Geschehen ist Prof. Piper, Rektor der Uni Düsseldorf und Leiter der Plagiatskommission in Sachen Schavan. In einer mutigen  Stellungnahme kritisierte er  die   Sympathiebekundungen seiner Kollegen für Schavan. Piper legte zuvor ein ähnlich gradliniges Verhalten an den Tag,  als feministische Kräfte versuchten, die zwei Männerkongresse an seiner Universität  zu verhindern. Er blieb standhaft und die Kongresse fanden statt – allerdings mit Einsatz universitärer Sicherheitskräfte.

Fazit

Es geht dem Staatsfeminismus schlicht um Macht. Voraussetzungen dafür sind eine Aktionsbasis mit Kontrolle des öffentlichen Dienstes in der Personalplanung und der Finanzmittel. Die  Schaffung eines Gleichstellungsnetzwerkes,  als eine Art Parallelverwaltung im öffentlichen Dienst mit totalitärem Zugriff zur Personal- und Finanzpolitik, ist der Fauenlobby in den letzten zehn Jahren gelungen – ohne größere Kenntnisnahme und Widerstände durch die Öffentlichkeit. Die FAZ bemerkt dazu[1]:

Das unionsgeführte Wissenschaftsministerium scheint entschlossen, den Fortschritt in den Frauenzahlen zu einem vorrangigen Kriterium für die Teilhabe an zukünftigen Finanzströmen erheben zu wollen.

Das muss man sich mal vor Augen halten:  Ein Netzwerk von fast zweitausend Gleichstellungsbeauftragten nimmt Einfluss auf die gesamte Personal- und Haushaltspolitik (“Gender Budgeting”)  des öffentlichen Dienstes.  Mit einer solchen fraiuenorientierten Infrastruktur im Rücken war es dem Staatsfeminismus ein Leichtes, mit dem Kaskaden- und Professorinnenprogramm die Frauenorientierung in Wissenschaft und Bildung durchzusetzen.

Irritierend ist die Gleichgültigkeit, ja sogar die diensteifrige Unterstützung durch die vorwiegend männlichen, betroffenen Wissenschaftler. Es ist wohl so: Widerstand regt sich nicht, wenn man selber Kostgänger der „Gleichstellungsindustrie“ ist. Das wird sich ändern, wenn die Zahl der diskriminierten Männer (und Frauen!) durch Quotenfrauen zunimmt. Unterstützend wird es wirken, wenn endlich staatliche Kontrollorgane oder entsprechende Verbände den sachgemäßen Mitteleinsatz der Frauenförderung anzweifeln.

Quellen

[1] FAZ v. 20.11.2012

[2] http://www.bmbf.de/de/494.php

[3] Ausstellungskatalog „Gleichstellungsfördernde Maßnahmen“, BMBF, 2012

[4] Amendt, Gerhard und Kovacs, Adorjan in „Schlagseite – MannFrau kontrovers“, Hrsg. Kuhla, E., Klotz-Verlag, 2010

 

 

 

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