Geschlechterdebatte

Die gesellschaftlichen Kosten einer gesetzlichen Frauenquote

Von Michael Klein   12. April 2012
zuerst erschienen auf Sciencefiles.org

Politiker sprechen gerne von der Wissensgesellschaft, vom lebenslangen Lernen und davon, dass die moderne Welt so komplex ist. Fast als hätten manche von Ihnen Michael E. Porter gelesen, sind sie der Überzeugung, dass moderne Industriestaaten vor allem aus dem Wissen und der Technologie, die sich in Innovationen umsetzen lassen, einen Mehrwert erzielen. Leider endet hier zumeist, was Politiker denken. Dass Wissen und Technologie nicht vom Himmel fällt, sondern dass es jemanden geben muss, der Wissen “inkorporiert” hat, der Technologien bedienen kann und dem Innovationen einfallen, das scheint bei vielen Politikern ein Wissen darzustellen, das sie in ihrem bisherigen Leben noch nicht erlernt haben.

So wie manche deutschen Betriebswirtschafts-”Experten”, sind Sie der Meinung, man müsse nur genug Individuen in einen Raum sperren und dann käme am Ende die Innovation heraus, und wenn die so erreichten Innovationen nicht gut sind, dann könne man ja Arbeitslose umschulen, zum Erfinder oder Entdecker.

Dass der Einsatz von Wissensbeständen, die ein Individuum hat, zum einen eine Funktion von Erfahrung, Spezialisierung und individuellen Investitionen in Wissen ist und dass man zum anderen dem entsprechend Wissenden und Erfahrenen einen Anreiz bieten muss, damit er sein Wissen mit anderen teilt, ist den entsprechenden Politikern zumeist ebenso unbekannt bzw. unverständlich wie der Zusammenhang zwischen einem funktionierenden und florierenden großen Unternehmen und in seinem Vorstand oder Aufsichtsrat getroffenen Entscheidungen bzw. der dort verfolgten Wettbewerbsstrategie, die wiederum in den meisten Fällen Ausdruck der Erfahrung und Spezialisierung von CEO und Aufsichtsratsmitgliedern ist. Manche Politiker scheinen zu denken, Aufsichtsräte seien vor allem dazu da, kalte Buffets zu leeren, weniger dazu, ein Unternehmen zu führen. (Sicher gibt es auch Wissenschaftler wie z.B. Helland und Sykuta (2004), die der Ansicht sind, Aufsichtsräte seien Staffage und hätten keinen Einfluss auf den Unternehmenswert bzw. die Performanz eines Unternehmens, aber die Prämisse, auf der Helland und Sykuta ihre Hypothese begründen, sieht Aufsichtsräte als weitgehend unauffällig an, d.h. sie treffen keine für das Unternehmen verheerenden Entscheidungen, das ist für den weiteren Verlauf wichtig.)

Da manche Politiker denken, Aufsichtsräte seien Gremien, in denen man Hummer und Kaviar konsumiert und ein Gläschen Sekt dazu schlürft,  wird veständlich, warum es für die meisten keiner Überlegung wert ist, ob eine gesetzliche Zulassungsquote für diejenigen, die sich am vermeintlichen Hummer, Kaviar und Sekt laben dürfen, sich negativ auf die Unternehmen, denen ein bestimmter Prozentsatz an Frauen im Vorstand/Aufsichtsrat aufgezwungen wird, auswirkt. Wie immer, wenn Ideologie am Anfang allen Handelns steht, spielt die Realität keine Rolle, werden negative Effekte ideologischer Maßnahmen vornehmlich dem Walten kritischer, böser oder adverser Kräfte zugeschrieben oder damit kommentiert, dass derzeit noch keine Aussagen über langfristige Effekte gemacht werden könnten. So hat Viviane Reding, die es auf einen “Vorstandsposten” bei der EU-Kommission geschafft hat, kein Problem, Daten aus dem Eurobarometer so zu verbiegen, dass sie in ihren ideologischen Kram passen, aber sie hat erhebliche Probleme damit, überhaupt zu verstehen, dass ihr ideologischer Kram negative Auswirkungen auf andere haben kann.

Wie eine Studie aus Norwegen zeigt, kosten Regelungen, die von Ideologen durchgesetzt werden, um ihre Traumwelt herbeizuregeln, eine Traumwelt, die natürlich zu ihrem Vorteil gestaltet ist, die meisten anderen in der Gesellschaft richtig viel Geld. Direkter formuliert: Eine Zwangs-Frauenquote in den Aufsichtsräten von Unternehmen, die an Börsen notiert sind, schadet nicht nur diesen Unternehmen, sie schadet der Volkswirtschaft, und sie schadet in erheblichem Maße.

Hintergrund der im Folgenden berichteten Ergebnisse ist der gesetzliche Zwang für börsennotierte norwegische Unternehmen bis spätestens Januar 2008 den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten auf mindestens 40% zu erhöhen. Da im Jahr 2001 9% Frauen in den Aufsichtsräten der genannten norwegischen Unternehmen saßen, kommt der gesetzliche Zwang in Norwegen einem kleinen personellen Erdbeben gleich, denn um die 40% zu erreichen, mussten mindestens 30% der bisherigen Aufsichtsratsmitglieder ersetzt werden (eine Vergrößerung des Aufsichtsrats hat sich kein norwegisches Unternehmen geleistet). Diese erzwungene Veränderung in der Zusammensetzung des Aufsichtsrates haben Kenneth R. Ahern und Amy K. Dittmar genutzt, um zu untersuchen, wie sich die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat auf den Wert der davon betroffenen Unternehmen und die Qualität der im Aufsichtsrat getroffenen Entscheidungen auswirkt. Die Ergebnisse, die auf der Untersuchung 238 börsennotierter norwegischer Unternehmen basieren, sind deutlich:

Nach der Ankündigung der Einführung einer Zwangsquote durch den norwegischen Minister für Handel und Industrie, Ansgar Gabrielsen, im Februar 2002, stürzten die Aktienkurse der betroffenen norwegischen Unternehmen um durchschnittlich 3,54% ab. Bei einer Marktkapitalisierung von z.B. 30 Milliarden Euro, wurden allein durch die Ankündigung rund 1 Millarde Euro vernichtet (30 Milliarden entspricht der Marktkapitalisierung einer mittelgroßen Bank).

In der Folge hat der Quotenzwang in Norwegen dazu geführt, dass sich der Wert der Unternehmen (gemessen in Tobin’s Q, einem Maß, das den Buchwert mit dem Marktwert in Verbindung setzt) sukzessive verringert hat, so dass pro 10% Zunahme des Anteils von Frauen im Aufsichtsrat ein Rückgang von 12,4% in Tobin’s Q zu verzeichnen war, d.h. z.B.: der Marktwert ist bei gleichbleibendem Buchwert des Unternehmens gesunken, oder Markt- und Buchwert sind gleichzeitig gesunken (z.B. weil unrentable Vermögensgegenstände hinzugekauft und mit Kredit finanziert wurden).

Die Quote hat die Qualität der Unternehmensentscheidungen einbrechen lassen. Mit zunehmendem Anteil von Frauen in Aufsichtsräten wurden mehr unrentable Investitionsentscheidungen getroffen, die Schulden der Unternehmen sind gewachsen, und das verfügbare Umlaufkapital wurde reduziert.

Anders formuliert: Nach der Einführung der Zwangsquote stehen die börsennotierten Unternehmen Norwegens durchweg schlechter da als vor der Einführung der Zwangsquote; dazu Ahern und Dittmar: “…we find that the quota led firms to increase in size through poorly performing acquisitions possibly financed by increased debt and cash holdings. Since boards of directors are likely to be involved with acquisition decisions and major changes to financial policies, our results are consistent with acquisition decisions and major changes to financial policies, our results are consistent with a deterioration in the capabilities of the board. We also find that operating performance decreased as a result of the quota” (Ahern & Dittmar, 2011, S.4). Somit stellt sich die Frage, warum sich mehr Frauen in Vorständen derart verheerend auf die Rendite der entsprechenden Unternehmen und die Qualität der in Aufsichtsräten getroffenen Entscheidungen auswirken. Die Antwort der Autoren ist ebenso simpel wie offensichtlich: Weil sie in der Mehrzahl nicht über die Erfahrung verfügen, die notwendig ist, um informierte und sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Dieses Ergebnis zeigt Elend und Problematik einer staatlichen Intervention in die Zusammensetzung von Aufsichtsräten in aller Deutlichkeit: Quotenzwang führt dazu, dass unerfahrene Frauen in Aufsichtsräte aufrücken und dort mit ihrer Unerfahrenheit dazu beitragen, dass Entscheidungen getroffen werden, die den Wert des Unternehmens und dessen Funktionsweise negativ beeinflussen. So wie es nicht möglich ist, Arbeitslose durch das Arbeitsamt zum Erfinder umschulen zu lassen, so ist es nicht möglich, die benötigte Anzahl erfahrener und zur Arbeit im Aufsichtsrat eines Unternehmens fähiger Frauen vom Baum zu schütteln.

Dies ist Viviane Reding oder frauenbewegten Lobbyisten in Deutschland wie der Bundesarbeitsministerin von der Leyen egal. Für sie zählt nur die Quote, und wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Spähne. Wer wird sich schon so haben, wenn durch den Zwang einer Frauenquote mal eben ein paar Milliarden Marktwert von europäischen oder deutschen Unternehmen vernichtet werden?

Nun, es gibt einige, die etwas dagegen haben. So berichten Ahern und Dittmar, dass die Anzahl norwegischer Unternehmen, die börsennotiert sind, als Folge der Zwangsquote gesunken ist. Da die Zwangsquote nur für börsennotierte Unternehmen gilt und es ganz offensichtlich eine ganze Reihe norwegischer Unternehmen gibt, die sich von ihrer Regierung nicht in die Zusammensetzung ihres Aufsichtsrates hineinpfuschen lassen, haben nach Schätzungen von Ahern und Dittmar rund 30% der norwegischen Unternehmen, ihre Aktien zurückgekauft und sind nunmehr private Unternehmen, die nicht mehr an einer Börse gehandelt werden, andere haben schlicht ihren Hauptsitz verlagert, in die  USA oder das Vereinigte Königreich, in Länder, in denen man vor sozialistischen Eingriffen in die Unternehmensführung (noch?) relativ sicher sein kann.

Epilog

Damit ist aus meiner Sicht alles gesagt, was es zur Zwangs-Frauenquote in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen zu sagen gibt:

Studien, die vermeintliche Vorteile von “Diversifizität” in Aufsichtsräten gefunden haben wollen und entsprechend behaupten, eine Frauenquote wirke sich positiv auf Unternehmen aus, erweisen sich als methodisch fragwürdig und laufen regelmäßig auf kruden Biologismus hinaus.

Analysen, die sich mit den Auswirkungen einer Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten befassen, zeigen, dass die Qualität der Entscheidungen, die in Aufsichtsräten getroffen werden, durch die Zunahme des Frauenanteils leidet und die Bereitschaft, riskante Investitionsentscheidungen zu treffen, zunimmt.

Analysen, die die Wirkung des eingeführten gesetzlichen Zwangs zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten auf 40% untersuchen, zeigen einen Einbruch des Unternehmenswerts und einen dramatischen Rückgang der Qualität unternehmerischer Entscheidungen.

Wer angesichts dieser Ergebnisse weiterhin auf der Einführung einer gesetzlichen Frauenquote besteht, muss als ein skrupelloser Lobbyist, der über “Unternehmensleichen” geht, nicht zu rationalem Denken fähig ist und eine Gefahr für die Öffentlichkeit, darstellt, angesehen werden: Denn er schadet der wirtschaftlichen Entwicklung in hohem Maße oder – um in einer Sprache zu sprechen, die Ideologen vestehen: Er beschädigt aufgrund seines falschen Bewusstseins die Zukunftschancen von Kindern und Kindeskindern…

Literatur

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Die Frauenquote ist eine Niederlage!

21. Juli 2013, von Monika Ebeling
Die Hauszeitung “Vorwärts”  der deutschen Sozialdemokratie liegt vor wenigen Tagen wieder in meinem Briefkasten. Wie immer blättere ich etwas lustlos drin herum und suche nach Beiträgen, die mich interessieren könnten.
Ich lese vom Stolz eines Genossen, in der SPD zu sein, davon, dass Vielfalt der Partei gut tut und dass die SPD eine Politik machen will, in der...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote: Ein Praxisbericht

02. Januar 2014, der Autor, der anonym bleiben möchte, ist Personalleiter eines weltweit tätigen Unternehmens.
Der Koalitionsvertrag hat uns Personalleitern – neben vielen anderen regelungsintensiven Segnungen – ein noch zu erstellendes Regelwerk „Gesetzliche Frauenquote“ beschert, das, so scheint mir, die Leistungskriterien für Einstellung und Beförderung gleichsam auf dem Verwaltungswege...

Geschlechterdebatte

Wer will die Frauenquote?

Interessen des Besitzbürgertums versus Interessen des weiblichen Angestelltenmilieus 10. November 2014, von Prof. Günter Buchholz
Wenn es - nach einem Diktum von Karl Marx - das (gesellschaftliche) Sein ist, das das Bewusstsein bestimmt, dann ist zu erwarten, dass es Sichtweisen gibt, die sich aus Gründen der sozialen Schichtung und den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Wahrnehmungs- und...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote verstößt gegen Menschenrechte

01. Januar 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Der Menschenrechtsaktivist Aaron Rhodes äußert Bedenken gegen die gesetzliche Frauenquote, die in der Debatte zur Frauenquote bis dato kaum Beachtung fanden.
Aaron Rhodes ist ein bekannter Menschenrechtsaktivist. Er ist Mitbegründer von Freedom Rights Project, einer Initiative, die sich mit der Menschenrechtsproblematik im internationalen Recht...

Geschlechterdebatte

Hochschulen: Füllhorn für Frauenförderung

2. Januar 2013, von Eckhard Kuhla, zuerst erschienen bei AGENS
Zunächst die Fakten: Studentinnen überholen Studenten, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. betragen die Frauenquoten  im Vergleich zu 1992[1] bei den Immatrikulationen:  49,5 %, den Studienabschlüssen 51,8% und den Promotionen 44,1%.
Damit liegt die Frauenquote innerhalb der Studentenschaft bei beachtlichen fast 50% , die...

Geschlechterdebatte

Sexismus ist weiblich – oder: Das Märchen vom bösen Buschmann

23. Mai 2012, von Bernhard Lassahn
Was haben Frauen für ein Bewusstsein von Aggression und Unterdrückung? Haben Affen den Flitzebogen erfunden? Hat jede Frau ein süßes Geheimnis? Warum schleppen schwarze Männer Scheiße? Wie erkennt man Sexisten? Warum schmeckt ihnen die Süßspeise nicht?
Das sind vielleicht Fragen. Die haben sich nach und nach ergeben, als ich die Überschrift las: „Viele Frauen haben kein...

Gesellschaft

Offener Brief an Cordt Schnibben, DER SPIEGEL

02. März 2015, von Arne Hoffmann
Einige meiner Leser haben die Bitte des SPIEGEL-Redakteurs Cordt Schnibben, ihnen über ihre Erfahrungen mit dem Niedergang des deutschen Journalismus zu schreiben, nicht nur erfüllt, sondern auch mich ins CC gesetzt. Einen dieser Briefe veröffentliche ich nach Rücksprache mit dem Verfasser gerne hier als Offenen Brief an den SPIEGEL.
Dass immer mehr Journalisten...

Geschlechterdebatte

Gender Mainstreaming hält Einzug in die Wirtschaft

27. Juni 2012, von Eckhard Kuhla, zuerst erschienen bei AGENS
Wie der Standort Deutschland einer Ideologie geopfert wird.
Frauenförderung 2000 – 2010
In den letzten Jahren hat die deutsche Wirtschaft für die Frauenförderung Einiges getan. Die hierzu notwendigen Anstrengungen wurden seit dem Jahr 2001 weiter intensiviert. Hierbei hat sich die deutsche Wirtschaft am eigentlichen Zweck einer...

Geschlechterdebatte

Was will das Weib, was soll die Quote?

21. Juni 2012, von Dr. Cora Stephan, zuerst erschienen in derStandard.at
Warum die neuerdings wieder forcierte Debatte um die angebliche Dringlichkeit eines höheren Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorstandsgremien oder sonst wo an den tatsächlichen Problemen unserer Lebens- und Arbeitsrealität völlig vorbeigeht
Noch nie waren sie so wertvoll wie heute. Alle Welt möchte Frauen - vor allem in den...

Geschlechterdebatte

Sherlock Holmes und Professorin Moriarty

3. September 2012, von Prof. Günter Buchholz
Eine Rezension zu Hadmut Danischs Buch „Frauenquote“
Das hier besprochene und empfohlene Buch ist wichtig, weil es bewusst und begründet gegen die Political Correctness (PC) verstößt, die bekanntlich oft nicht mehr als ein öffentlicher sozial-psychologischer Zwang zur Verleugnung oder zur Lüge ist. Und manchmal nimmt sie sogar die Form offener Zensur...

Geschlechterdebatte

Räuberinnen-Rhetorik

08. Dezember 2014, von Prof. Günter Buchholz
Anne Wizorek hat einen ebenso meinungsstarken wie begründungsschwachen Artikel geschrieben, der erstaunlicherweise von "Cicero" veröffentlicht wurde.
Warum erstaunlicherweise? Nun weil es sich leicht erkennbar um feministische Rhetorik handelt, um moralisch überhöhte frauenpolitische Propaganda.
 

Politik

Piratinnen – ein Frontbericht

23. Juni 2012, von Hadmut Danisch, zuerst erschienen in Hadmut Danischs Blog
Aus der deutschen Blogosphäre erreichte die Cuncti-Redaktion soeben folgende Meldung:
Ich hatte neulich gebloggt, dass ich der Piratenpartei beigetreten bin, allerdings erst mal probeweise für ein Jahr. Und dass ich darüber berichten wolle, im Guten wie im Schlechten. Hier nun ein Bericht über schlechte Erfahrungen.
Ich war vorhin...