Streitbar, Haltbar, Machbar, Lebbar

Über den Gender-Begriff (1)

08. März 2015, von Prof. Günter Buchholz

Den Begriff „gender“ haben Sie wahrscheinlich schon einmal gehört oder gelesen. Feministinnen verwenden ihn häufig und gern. Aber wissen Sie eigentlich, was mit „gender“ gemeint ist?

AnatomieMannFRau-klnj8767 Ich meine, wissen Sie, was genau damit gemeint, und was eben nicht? Damit sie verstehen, wovon Feministinnen wirklich reden oder schreiben? Nun, wir haben es mit einem englischen Begriff zu tun, und die Übersetzung von Begriffen aus Fremdsprachen, und seien sie uns so außerordentlich nah wie es das Englische ist, sie ist manchmal schwierig, und manchmal unmöglich.

Zum Beispiel gibt es für „Gender Mainstreaming“ keine brauchbare, klare, die Bedeutung erhellende Übersetzung. Man muss erst das ganze intentionale Hintergrundprogramm des Feminismus klären, bevor einem klar wird, was das im Kern eigentlich bedeutet, was wirklich damit gemeint ist. Für die Feministinnen erweist sich das als angenehm, nämlich als ein Schutz davor, dass ihre wahren Absichten an das Licht der Öffentlichkeit kommen könnten.

Gender Mainstreaming ist deshalb allererst ein Code-Wort. Nur die relativ wenigen Eingeweihten wissen, was damit gemeint ist. Um das zu dechiffrieren, muß man sich zunächst dem Begriff „gender“ zuwenden, denn ihm kommt die Bedeutung einer begründenden Kategorie zu, und deshalb soll hier damit begonnen werden.

Ohne eine klaren Begriff von der Sache gibt es keine richtige Erkenntis. Ohne richtige Erkenntnis gibt es kein angemessenes Handeln. Ohne angemessenes Handeln gibt es keine Aussicht auf Besserung. Ohne Aussicht auf Besserung schwindet alle Hoffnung. Deshalb muß die Bemühung um den klaren Begriff am Anfang stehen.

Die bezüglich feministischer Themenfelder bekanntlich weitgehend von Feministinnen kontrollierte Wikipedia definiert den Gender-Begriff wie folgt:

“Der Begriff Gender bezeichnet als Konzept die soziale, gesellschaftlich konstruierte oder psychologische Seite des Geschlechts einer Person im Unterschied zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. sex). Der Begriff wurde aus dem Englischen übernommen, um auch im Deutschen eine Unterscheidung zwischen sozialem („gender“) und biologischem („sex“) Geschlecht treffen zu können, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird.”

[Kritisch hierzu: http://de.wikimannia.org/Genderismus]

Das bedeutet:

“Gender” ist die soziologistische Fassung von “sex” genau dann, wenn “sex” verleugnet wird und “gender” an dessen Stelle tritt.

Was sind nun “Genderaspekte in der Forschung”?  Dazu lesen wir seitens des Bundesministeriums für Forschung folgendes (Auszug):

“Geschlechterforschung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Wissenschaftssystems. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Berücksichtigung von Genderaspekten in der Forschung zur besseren Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen beitragen und die Innovationskraft stärken. Detaillierte Hintergrundinformationen stellt z. B. das Projekt Gendered Innovations unter http://genderedinnovations.stanford.edu/ zur Verfügung.” (AZ: GZ 124-02500/1 BMF / Dr. Marijke Loman)

Wer nun oben anklickt, der wird sehen, dass es dort um medizinisch-naturwissenschaftliche Forschungsvorhaben im Hinblick auf Männer einerseits und Frauen andererseits geht, zwischen denen es, was niemanden überrascht, mancherlei Unterschiede gibt, von denen etliche im Hinblick auf Diagnose, Therapie und Medikation von erheblicher medizinischer oder pharmakologischer Bedeutung sind.

Das sind ohne Zweifel wichtige Forschungen; das Beispiel stammt bemerkenswerterweise aus den USA, nicht aus Europa, oder gar aus dem Zuständigkeitsbereich des BMF, wie man das eigentlich erwartet hätte: warum eigentlich? Gibt es im Zuständigkeitsbereich des BMF nichts, was hier als exemplarisches Beispiel hätte genannt werden können? Es scheint zumindest so zu sein.

Nur haben diese Forschungen an der Stanford University mit „gender“ im Sinne der Wikipedia-Definition nicht das geringste zu tun, denn dieser Begriff ist ein rein soziologischer, der im Hinblick auf biologische oder andere Sachverhalte nicht nur völlig leer ist, sondern der dem Begriff "sex" von den Genderisten sogar kämpferisch entgegengesetzt wird: „gender“ wird begrifflich gegen „sex“ ausgespielt, um „sex“ vollständig durch „gender“zu ersetzen. Das ist das Ziel.

Aber es scheint in den USA wie in Europa kaum möglich zu sein, für eine relevante nicht-naturwissenschaftliche Gender-Forschung einen Beleg zu finden. So hilft man sich mit dem Etikettenschwindel, bei dem etwas als Gender-Forschung bezeichnet wird, was tatsächlich rein naturwissenschaftliche und medizinische, auf Beobachtung der sexuellen Unterschiede und ihrer Bedeutung Wert legende Forschung ist, wie das Beispiel der Stanford-University zeigt. So etwas nenne ich neudeutsch einen "dirty trick", oder: einen bewussten Schwindel.

Es ist allerdings einzuräumen, dass im Gender Kompetenzzentrum an der Humboldt-Universität dieses Problem, das sich aus der scharfen Entgegensetzung von „gender“ und „sex“ ergibt, anscheinend bemerkt worden ist, immerhin, und dass man dort auf mehr als zehn Seiten Text einen argumentativen, oder wenigstens eine rhetorischen, Ausweg aus dem Paradoxon gesucht hat, wonach dann auch das, was „gender“  gerade nicht ist, nämlich „sex“ bzw. das Biologische, als das bezeichnet wird, was dennoch auch „gender“ sein soll, nämlich wiederum „sex“ bzw. das Biologische:

Doch dazu später mehr.

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Hatr.org: „Antifeministische hate speech“ unter der Lupe

Von Arne Hoffmann   1. April 2012

In letzter Zeit wurde Feminismuskritikern immer wieder der Vorwurf der "hate speech" gemacht. Dabei handelt es sich einer Definition der Wikipedia zufolge um "sprachliche Ausdrucksweisen, die zur Ausgrenzung oder Benachteiligung von bestimmten Personen oder Personengruppen, oder sogar zur Gewalt gegen diese, anreizen sollen". Eine bekannte Website, auf der...

Geschlechterdebatte

Unser täglich Einheitsbrei gib uns heute

19. Juni 2016, von Gunnar Kunz
Liebe Journalisten,
in aller Regel nehme ich von anderen Menschen zunächst das Beste an, bis mir das Gegenteil bewiesen wird. Aber ihr macht es einem wirklich nicht leicht.
Ich kann mir gerade eben noch vorstellen, dass das Weglassen der einen oder anderen relevanten Information aus Unwissenheit geschieht. Etwa in einem Artikel über männliche Unterhaltspreller...

Geschlechterdebatte

Stereotype und Fließbandforschung

Wie Genderismus die Kultur verwüstet Von Professor Adorján Kovács   28. März 2012
Die Gender-Mainstreaming genannte Ideologie hat längst auch den Kulturbereich erfasst und soll dort langfristig etabliert werden. Zum Erreichen der Nachhaltigkeit des Einflusses dieser Ideologie werden strukturelle Änderungen an den relevanten Ausbildungsstätten politisch durchgesetzt. Gleichstellungsmaßnahmen an den...

Geschlechterdebatte

Gleichberechtigt „schwarzern“

04. Februar 2014, von Birgit Kelle
Endlich macht sich die Gleichberechtigung auch bei der Steuerhinterziehung bemerkbar! Danke Alice! Wieder eine Männerdomäne erobert.
Diesmal das Schwarzgeld. Und ja, es tut mir auch wirklich leid, dass der Name von Alice Schwarzer so wunderbar einlädt zu ganz neuen Wortschöpfungen im Zusammenhang mit dem Vorbeischaffen von Steuergeldern am Fiskus.
...

Geschlechterdebatte

Die Remoralisierung des Strafrechts

 
26. Februar 2016, von Prof. Monika Frommel
Offenbar ist das 21. Jahrhundert eine Zeitenwende. War Strafrecht immer ein Unterfangen, das als repressiv und eher ungeeignet zur Konfliktlösung galt, soll es nun „Menschenrechte" schützen, und zwar nicht punktuell, sondern umfassend.
Strafrecht soll nicht mehr dem Schutz von Rechtsgütern dienen, es wird nicht mehr konzipiert als ultima ratio und soll auch...

Geschlechterdebatte

Nur schön und sexy?

02. Januar 2015, von Prof. Walter Hollstein
Ist die Emanzipation der Mädchen am Ende? Driften sie von der „Überholspur“ zurück in den „Boxenstopp“? Das signalisiert – auch in dieser bildhaft blöden Sprache - die Studie „Mädchen in der Schweiz“. Urheberin ist das „Institut Gender & Diversity“ der Fachhochschule Ostschweiz, verantwortlich dessen Leiterin Gabriella Schmid.
Folgt man der...

Geschlechterdebatte

„Schreib nicht von Deiner Nachbarin ab!“

4. September 2012, von Robert Boder
„Lange bevor die PISA-Studie erschienen war, wussten wir beide, was in unserem Bildungswesen los ist, und ich habe einmal zu Ihnen gesagt, das komme daher, dass auf der einen Seite die Linke die Anforderungen in unseren Schulen immer weiter abgesenkt hat, um den Kindern aus nichtarrivierten Schichten den sozialen Aufstieg zu erleichtern (ein Motiv, das ich gut...

Geschlechterdebatte

Die Diskriminierung des Mannes

3. Juni 2012, von Prof. Gerhard Amendt
Über die negativen Auswirkungen des Feminismus
Fast jede Form des sozialen Wandels kann zu Konflikten führen. Denn Wandel löst komplexe Alltäglichkeiten auf, die sich innerhalb von Kulturen, sozialen Schichten, Ethnien und im Arrangement der Geschlechter als Selbstverständlichkeiten etabliert haben. Solchen Wandel wollte auch die Frauenbewegung bewirken. Sie...

Gesellschaft

Gezeitenwechsel

25. Juli 2016, von Gunnar Kunz
Ich hätte nie gedacht, dass es mir mal so gehen würde. Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, uns zu entfalten, wie heute. Jeder kann leben, wie er es für richtig hält. Geschichte vollzieht sich in Pendelbewegungen, doch unterm Strich wird das Leben besser. Von alledem bin ich noch immer überzeugt. Aber im letzten...

Gesellschaft

Zwanzig Jahre Srebrenica: Massenmord an Männern bis heute nicht aufgearbeitet

15. Juli 2015, von Arne Hoffmann
Dieser Tage veröffentlichen viele Medien Artikel zum zwanzigsten Jahrestag des Massakers von Srebrenica. Mit den geschlechterpolitisch relevanten Aspekten dieses Massenmords habe ich mich in meinem Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik beschäftigt:
So stürmte im Juni 1995 die serbische Armee die Stadt Srebrenica im Osten Bosnien-Herzegowinas und schlachtete fast 8000...

Geschlechterdebatte

Vom Wert des Zweifels

19. Januar 2017, von Gunnar Kunz
Hin und wieder kommt es vor, dass ich unsicher werde und mich frage: Stehst du wirklich auf der richtigen Seite, hast du recht mit deiner Kritik am Feminismus, oder begehst du gerade einen furchtbaren Irrtum? Ist es nicht vermessen zu glauben, du seist im Besitz der Wahrheit, während die öffentliche Meinung und ein großer Teil deiner Freunde sich irrt?
 
Ist es...

Geschlechterdebatte

Der ritterliche Justizminister als galanter Retter schwacher Frauen

15. September 2016, von Prof. Gerhard Amendt
Podcast:
Auf einer Konferenz über Männergewalt hat in den 80er Jahren in Frankfurt am Main eine Psychoanalytikerin die strafrechtliche Utopie entworfen, der zufolge Frauen allein darüber entscheiden sollten, ob ihnen Gewalt angetan wurde oder nicht. Schließlich seien sie dafür Spezialisten – und niemand sonst.
Irgendwo am Rande sollte ein Richter,...